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Von einem belgischen Café zu globalen E-Invoicing-Standards: Simon Foster über Interoperabilität

Posted on
April 2, 2026
Written by
Andy Bunarto

Wer ist Simon Foster?

Simon Foster ist Global Director of E-Invoicing bei Xero, einer Buchhaltungsplattform, die über 4,4 Millionen kleine Unternehmen im englischsprachigen Raum betreut — von Australien und Neuseeland bis Großbritannien, den USA, Singapur und Südafrika.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Simon intensiv für die Organisation OpenPepPol und die globale Bewegung für eine interoperable elektronische Rechnungsstellung. Er balanciert seinen Tagesjob mit einer Art „missionarischem“ Engagement für die digitale Transformation der Rechnungsstellung weltweit. Er trägt aktiv zur Peppol-Community bei und ist in mehreren gemeinnützigen Gremien tätig.

Was sind die wichtigsten Trends, die derzeit die Peppol-Debatte prägen?

Eines der dominierenden Themen der diesjährigen Peppol-Konferenz sind elektronische Berichterstattung und Steuerberichterstattung per E-Invoicing (VIDA). Dies spiegelt eine Abkehr von rein technischen Diskussionen hin zu substanzielleren Debatten über Politik, Compliance und nationale digitale Strategien wider.

Die Präsenz von Vertretern der Regierung und der Steuerbehörden auf der Konferenz nimmt merklich zu. Sie werden lauter und setzen sich für eine schnellere Umsetzung und eine stärkere internationale Harmonisierung ein. Simon glaubt, dass diese Entwicklung dem technischen Ökosystem mehr Legitimität und Dringlichkeit verleiht: „Wir sind nicht mehr nur ein paar hundert Experten weltweit. Die Nutzerbasis, die politischen Diskussionen und das, was auf dem Spiel steht, wachsen rasant.“

Wir müssen über Interoperabilität sprechen

Gleichzeitig gewinnt die Debatte über Interoperabilität an Dynamik. Simon räumt ein, dass Fortschritte erzielt werden, auch wenn der Weg nicht immer geradlinig ist. „Die Regierungen fordern jetzt höhere Standards. Das ist eine gute Sache. Angesichts des einzigartigen Umfelds jedes Landes ist das Risiko einer Fragmentierung jedoch real.“

Er fordert die Nationen nachdrücklich auf, unnötige Abweichungen von etablierten Standards zu vermeiden, und nennt scheinbar geringfügige Änderungen — wie die Verwendung von ISO-Ländercodes mit drei Buchstaben anstelle der zweibuchstabigen Standardversionen — als potenziell störend.

Peppol und die GSM-Analogie

Um zu veranschaulichen, wie sich die globalen Standards für die elektronische Rechnungsstellung entwickeln könnten, zieht Simon eine überzeugende Analogie: die Entwicklung von GSM- und Mobilfunknetzen.

So wie GSM als europäische Initiative begann und schließlich zum globalen Standard für mobiles Roaming und Konnektivität wurde, verfolgt Peppol einen ähnlichen Weg — es hat seinen Ursprung in Europa und expandiert nun auf Australien, Neuseeland, Singapur, Japan, Malaysia und die Vereinigten Arabischen Emirate.

„Interoperabilität, Sicherheit, Identität — das alles ist ein Déjà-vu der GSM-Reise. Hoffentlich brauchen wir dieses Mal keine 20 Jahre.“

Von den Wurzeln der EU zur globalen Reichweite

Das Peppol-Modell wurde ursprünglich im Mehrwertsteuergebiet der EU entwickelt, wo ein harmonisierter Rechtsrahmen den Nährboden für seine Umsetzung bot. Länder außerhalb dieser Zone — wie Singapur und Australien — sahen sich jedoch mit völlig anderen regulatorischen und Marktbedingungen konfrontiert.

Die erfolgreiche Einführung Singapurs hat gezeigt, dass das, was als europäischer Standard begann, in der Tat global gelten kann. Dieser Erfolg inspirierte andere Länder, darunter Australien, Neuseeland und Japan, diesem Beispiel zu folgen.

Heute geht der Schwerpunkt weit über die Bewältigung innergemeinschaftlicher Herausforderungen hinaus. Ziel ist es, eine globale digitale Infrastruktur für den Handel aufzubauen — hier kommt Peppol International, kurz PINT, in Frage.

PINT designen: Lektionen aus einem belgischen Café

Während der Arbeit am Design von PINT fiel Simon auf, dass in Arbeitsgruppendiskussionen oft die Analogie eines belgischen Cafés auftauchte. Es diente als nachvollziehbares Beispiel aus der Praxis dafür, wie elektronische Rechnungsstellungstools kleine Unternehmen sinnvoll unterstützen können.

Denken Sie darüber nach: Wenn Sie ein Café betreiben, kann es einen großen Unterschied machen, wie Sie mit Rechnungen umgehen. Sie können Lieferanten effizienter verwalten, die manuelle Eingabe von Rechnungen vermeiden und sicherstellen, dass alles direkt in Ihr Buchhaltungssystem eingespeist wird.

Und wenn Sie einige Stammkunden haben — beispielsweise Büros in der Nähe oder Veranstalter —, die nicht vor Ort bezahlen, müssen Sie Rechnungen ausstellen. Natürlich möchten Sie umgehend bezahlt werden. Das ist ein weiterer Bereich, in dem das Rechnungssystem wirklich helfen kann.

Die Entwicklung von PINT für den globalen Einsatz warf wichtige Fragen auf — selbst für diese einfache Persona. Wenn eine Rechnung aus dem Ausland eintrifft, wie soll der Cafébesitzer dann wissen, ob sie gültig — oder sogar echt — ist? Darüber sollten sie sich keine Sorgen machen müssen. Sie wollen nur ihr Café führen und guten Kaffee kochen.

Es erwies sich als entscheidend, das Design auf echten Benutzerpersönlichkeiten zu gründen. Das belgische Café wurde während des gesamten Entwicklungsprozesses zu einem wiederkehrenden Bezugspunkt.

Die Professionalisierung von OpenPEPPOL

Simon hat die Entwicklung von OpenPepPol von einer von Freiwilligen geleiteten Basisinitiative zu einer internationalen Organisation miterlebt, die eine professionelle Führung erfordert.

„Wachstum bringt Komplexität mit sich. Kulturelle Vielfalt, multilaterale Entscheidungsfindung und jetzt auch institutionelle Akteure wie die Europäische Kommission machen eine Professionalisierung unverzichtbar.“

Dieser Übergang war nicht ohne Herausforderungen, aber Simon betrachtet ihn als positive Entwicklung:

„Es ist ein gutes Problem — es bedeutet, dass wir skalieren.“


Zusammenfassung

Peppol entwickelt sich ständig weiter — von seinen europäischen Ursprüngen zu einer wahrhaft globalen digitalen Infrastruktur — und steht sowohl vor Chancen als auch vor Herausforderungen. Die zunehmende Beteiligung der Regierungen, das Streben nach Interoperabilität und der Fokus auf Nutzer aus der realen Welt wie das belgische Café unterstreichen einen umfassenderen Wandel: Es geht nicht mehr nur um Technologie, sondern auch darum, Vertrauen, Effizienz und Inklusivität im Welthandel aufzubauen.

Mit einer professionellen Unternehmensführung und einer klaren Expansionsvision ist Peppol gut positioniert, um die nächste Welle der digitalen Transformation im Rechnungswesen voranzutreiben — was nicht nur großen Unternehmen, sondern auch kleinen Unternehmen weltweit Vorteile bringt. Wie Simon es treffend ausdrückt, ist die Reise in vollem Gange und die Zukunft sieht vielversprechend aus.

„Wir sind nicht mehr nur ein paar hundert Experten weltweit. Die Nutzerbasis, die politischen Diskussionen und das, was auf dem Spiel steht, wachsen rasant.“